Kinesiologisches Taping des Fußhebers

Kinesiologisches Taping des Fußhebers

Der demographische Wandel, hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft, ist verbunden mit einer zunehmenden Anzahl an Patienten die unter neurologischen Erkrankungen leiden. Vermehrte neurologische Erkrankungsfälle führen zu einer wachsenden Anzahl an ausgeprägten Fußheberschwächen.

Patienten die unter einer ausgeprägten Fußheberschwäche leiden, besitzen ein erhöhtes Sturzrisiko sowie eine reduzierte Gehstrecke und Gehgeschwindigkeit. Zur Sturzvermeidung müssen Patienten mit ausgeprägten Fußheberschwächen beim Gehen das ganze Bein höher anheben. Ebenso wird verstärkte Aufmerksamkeit für jeden Schritt sowie für die Wahrnehmung des Umfeldes benötigt, um Stürzen vorzubeugen. Aufgrund der gestörten Körperfunktionen beziehungsweise des beeinträchtigten Gangbildes leiden Betroffene an einer eingeschränkten Aktivität und Partizipation am sozialen Leben. Das heißt, dass die ausgeprägte Fußheberschwäche mit einem Verlust an Lebensqualität einhergeht.

Als Fußheberschwäche, Fallfuß oder auch Peroneusparese wird eine Bewegungsstörung im Fuß bezeichnet, die aus einer fehlenden oder eingeschränkten Verbindung zwischen dem Peroneusnerv und dem zentralen Nervensystem resultiert und eine geringe Dorsalflexion zur Folge hat. Dorsalflexion beschreibt in diesem Fall, dass der Fußrücken nicht ausreichend in Richtung des Schienbeins angehoben werden kann. Bei der Fußhebeschwäche ist im Gegensatz zu gesunden Menschen die Nervenverbindung zwischen Gehirn und Fuß gestört. Es liegt eine Störung vor, dass nicht, wie normal, das Gehirn ein Signal an das Rückenmark sendet und über Nervenbahnen die Bewegungsimpulse an die Nerven im Fuß oder Bein weitergeleitet werden. Die Nervenimpulse sind wichtig, um die Fußhebemuskulatur steuern zu können. Der Peroneusnerv, welcher in der Kniekehle aktiviert wird, ist derjenige Nerv, welcher für das Anheben der Fußspitze beim Gehen verantwortlich ist. Beim Vorliegen der Fußheberschwäche ist dies jedoch nicht der Fall. Das Anheben des Fußes gelingt dabei kaum. Das Vorschwingen des Beines erfolgt bei Patienten mit Fußheberschwäche durch eine kreisförmige Hüftbewegung nach vorne (Zirkumduktion). Erfolgt diese Fortbewegungsweise über einen längeren Zeitraum, können Schmerzen in Hüfte und Becken auftreten. Eine natürliche Abrollbewegung des Fußes erfolgt ebenfalls nicht mehr.

Bei der Schwäche des Fußhebers wird zwischen der zentralen und der peripheren Fußheberschwäche unterschieden. Zentrale Fußheberschwächen treten häufig infolge eines Schlaganfalls auf, wohingegen periphere Fußheberschwächen als Folge eines Bandscheibenvorfalls entstehen.

Die Fußheberschwäche kann mehrere Ausprägungen besitzen. Einerseits kann eine Fehlstellung des Fußes dazu führen, dass der Betroffene vermehrt auf der Fußaußenkante läuft. Fußheberschwäche mit Vorfußauftritt bedeutet, dass beim Gehen keine normale Abrollbewegung über die Ferse erfolgt, sondern diese beim Gehen nicht mehr den Boden berührt. Eine Fehlstellung des Fußes kann infolge gekrallter Zehen auftreten, welche durch die Spastik im erkrankten Fuß bedingt ist.

 

Ursachen von Fußheberschwäche

Das Auftreten von Fußheberschwäche kann durch verschiede Faktoren bzw. Ursachen bedingt sein. Diese können ihren Ursprung im Bewegungsapparat sowie im Nervensystem haben. Häufig tritt die Fußheberschwäche als Folge einer Schädigung im zentralen Nervensystem (ZNS) auf. Mögliche Ursachen für die Entstehung von Fußheberschwäche sind:

  • Schlaganfälle
  • Multiple Sklerose
  • Bandscheibenvorfall
  • Arthritis (Gelenkentzündung)
  • Traumatische Schädigungen der unteren Extremitäten
  • Arthrose (degenerative Erkrankung der Gelenke)
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Nerventumore
  • Rückenmarksverletzungen
  • infantiler Zerebralparese
  • Nervenschädigung (z.B. durch einen Unfall oder einer Operation)
  • Myositis (Muskelentzündung)
  • Implantationen von Knie- oder Hüfttotalendoprothesen

Fußheberschwäche tritt häufig bei Multiple-Sklerose- und Schlaganfall-Patienten auf. Bei 70% der Schlaganfallpatienten treten nach drei Monaten Beeinträchtigungen der Beinfunktionen auf. 25% der Betroffen klagen über einen vollständigen Verlust. Bandscheibenvorfälle können ebenfalls Ursache einer Fußheberschwäche sein. In der subakuten Schlaganfallversorgung sowie bei chronischen Patienten, bei denen durch Rehabilitation nur bedingt die Fußhebung zurückerlangt wurde, besteht Unterstützungsbedarf.

Neben dem zentralen Nervensystem (ZNS) kann der Bewegungsapparat auch die Quelle für das Entstehen einer Fußheberschwäche sein. Arthrose oder Entzündungen der Gelenke oder Muskeln können ebenso die Funktionen des Fußhebers einschränken, sodass eine Fußheberschwäche zeitweise oder dauerhaft entsteht. Starke Verletzungen der unteren Extremitäten (z.B. infolge eines Autounfalls) können zudem verantwortlich für die Fußheberschwäche sein.

Therapie/Behandlung der Fußheberschwäche

In Abhängigkeit der Erkrankungsursache erfolgt die Therapie. Die Nutzung funktioneller Elektrostimulation ist ein Behandlungsansatz, der das Heben des Fußes fördert. Bei dieser Therapie sorgen Oberflächenelektroden, welche am Bein angebracht sind, für Stromimpulse, die Aktionspotentiale auslösen sollen und dadurch eine Muskelkontraktion bewirken sollen. Dieser sogenannte Peroneus-Stimulator unterstützt mit Hilfe von funktioneller Elektrostimulation die Fußhebung. Bei den erhältlichen Peroneus-Stimulatoren können die Patienten die Stimulationsintensität und somit die Fußhebung selbst regulieren. Das Gerät registriert hingegen den Fersen-Boden-Kontakt. Der Nachteil einer solchen Orthese ist, dass diese in der Regel teuer sind und die Krankenkassen die Kosten von sich aus nicht immer übernehmen.

Zur Entlastung der Nerven kann eine Spritzentherapie nach einem Bandscheibenvorfall verwendet werden. Bei dieser Therapie werden abschwellende Medikamente, unter CT-Kontrolle, direkt an die Wurzel der Nerven gespritzt. Weitere relevante Bestandteile der Therapie einer Fußheberschwäche sind Physiotherapie und Krankengymnastik. Nach Schädigungen im Nervensystem (neurologisch) sind diese für den Therapieerfolg maßgeblich entscheidend. Training und gezielte Übungen der Bauch- und Fußmuskulatur sind für die Kraft zum Gehen von hoher Bedeutung.

Die Anwendung kinesiologischer Tapes kann ergänzend zu anderen Therapieverfahren genutzt werden.

 

Kinesiologisches Taping bei Fußheberschwäche

Neben den beschriebenen Therapie- und Behandlungsmethoden kann die unterstützende Maßnahme des kinesiologischen Tapings zum Einsatz kommen. Als Kinesiologisches Taping wird eine alternative Behandlung bezeichnet, bei der flexible bzw. elastische auf der Haut haftende Streifen aus Kunststoff in verschiedenen Dehnungszuständen auf der Haut angebracht werden. Die Tapes massieren die unter der Haut liegenden Gewebeschichten, stimulieren die Muskelkontraktionen, den Lymphfluss, die Gelenkfunktionen sowie die Schmerzsensoren.

Die Einsatzgebiete der flexiblen Tapes sind sehr vielfältig. Bei der Behandlung von Alltagsbeschwerden wie Muskelschmerzen, Muskelkater oder Verspannungen können die Kinesiologie Tapes unterstützend dazu beitragen den Gesundheitszustand zu verbessern und Beschwerden zu reduzieren. Typische gesundheitliche Probleme bei denen die Tapes eingesetzt werden können sind:

Kinesiologische Tapes können aufgrund ihrer Wasserfestigkeit beim Schwimmen sowie Duschen getragen werden. In der Regel sind die Tapes durch ihre Materialeigenschaften gut hautverträglich. Kommt es im Zuge der Behandlung mit den kinesiologischen Tapes zu Juckreiz und Hautirritationen sollte die Anwendung sofort unterbrochen werden.

Bislang gehört die Therapie des kinesiologischen Tapings nicht zur evidenzbasierten Medizin, sondern stellt eine alternativ medizinische Behandlung dar, bei welcher die Wirkungsweisen nicht belegt worden sind. Einige Physiotherapeuten und Ärzte, besonders in der Sportmedizin, schwören auf die Behandlung mittels kinesiologischer Tapes. Die Anwendung der Tapes sollte nicht als alleinige Therapiemethode verwendet werden, sondern im Kontext mit anderen Behandlungsmethoden, welche bereits im klinischen Alltag integriert sind.

Die Tapes sollten von einem Physiotherapeuten oder Arzt angebracht werden, da diese in Abhängigkeit der vorliegenden Erkrankung die passende Anlagetechnik auswählen. Ebenso können sie den Patienten über Kontraindikatoren (z.B. offene Wunden, Tumore, Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermitis) sowie das weitere Vorgehen aufklären. Um das falsche Anbringen, was eventuell mit gesundheitlichen Konsequenzen einhergehen könnte, zu vermeiden, sollten die Tapes von einem Arzt oder Physiotherapeuten angelegt werden, da diese über die fachliche Expertise verfügen.