Geburtsvorbereitende Akupunktur

Hebammenbedarf

Geburtsvorbereitende Akupunktur: Wirkung, Zeitpunkt, Punkte und Kosten

Die geburtsvorbereitende Akupunktur ist ein ergänzendes Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), das Schwangere in den letzten Wochen vor der Geburt begleiten kann. Viele geburtshilfliche Einrichtungen bieten sie ab 36+0 SSW einmal wöchentlich an. Doch was bringt geburtsvorbereitende Akupunktur tatsächlich, welche Punkte werden behandelt und was sagt die Studienlage zur Wirkung?

Im folgenden Ratgeber erfahren Sie, wie die geburtsvorbereitende Akupunktur angewendet wird, welche Punkte dabei eine Rolle spielen und was bei Wirkung, Nebenwirkungen, Geburtseinleitung und Kosten wichtig ist.

Was ist geburtsvorbereitende Akupunktur?

Bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur werden feine Nadeln an gezielt ausgewählten Akupunkturpunkten gesetzt. Sie ist eine spezielle Form der Akupunktur in der Schwangerschaft und kommt vor allem in den letzten Wochen vor der Geburt zum Einsatz. Ziel ist es, die Schwangere in dieser Phase ergänzend zu begleiten und auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten.

Nach der Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin soll die Stimulation bestimmter Punkte den Fluss der Lebensenergie „Qi“ harmonisieren. Dieses Konzept stammt aus der TCM und ist von wissenschaftlich untersuchten Wirkmechanismen zu unterscheiden. Die geburtsvorbereitende Akupunktur ist außerdem klar von der Behandlung konkreter Schwangerschaftsbeschwerden, der Akupunktur während der Geburt und einer medizinischen Geburtseinleitung abzugrenzen.

Was bringt die geburtsvorbereitende Akupunktur?

Die geburtsvorbereitende Akupunktur soll Schwangere dabei unterstützen, sich körperlich und mental auf die bevorstehende Geburt einzustellen. Häufig wird sie mit Entspannung sowie einer möglichen Unterstützung der Zervixreifung, also der Reifung des Gebärmutterhalses, in Verbindung gebracht. Wie stark sich die Akupunktur tatsächlich auf den Geburtsbeginn oder den weiteren Geburtsverlauf auswirkt, ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig geklärt.

Im Zusammenhang mit der geburtsvorbereitenden Akupunktur werden vor allem folgende mögliche Effekte diskutiert:

  • Unterstützung der körperlichen und mentalen Geburtsvorbereitung
  • Mögliche Förderung von Entspannung und Wohlbefinden
  • Mögliche Unterstützung der Zervixreifung
  • Möglicher Einfluss auf einzelne Aspekte des Geburtsverlaufs

Was sagt die aktuelle Studienlage?

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 wertete zehn randomisierte Studien mit insgesamt 1.432 Schwangeren ab der 37. Schwangerschaftswoche aus. Insgesamt zeigte sich kein signifikanter Vorteil beim spontanen Geburtsbeginn, beim Geburtsmodus oder bei weiteren untersuchten geburtsbezogenen Endpunkten.

Wichtig für die Einordnung: Die untersuchten Akupunkturverfahren entsprechen nicht zwangsläufig der hierzulande verbreiteten geburtsvorbereitenden Akupunktur. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf jedes Behandlungsschema übertragen. Ein verlässlich kürzerer oder leichterer Geburtsverlauf ist nach der derzeitigen Studienlage nicht belegt.

Wo werden die Nadeln bei geburtsvorbereitender Akupunktur gesetzt?

Bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur werden die Nadeln je nach Behandlungskonzept an verschiedenen Körperstellen gesetzt. Häufig liegen die ausgewählten Akupunkturpunkte an den Beinen und Füßen, teilweise auch an den Händen. Welche Punkte tatsächlich behandelt werden, richtet sich unter anderem nach dem verwendeten Akupunkturschema, der Schwangerschaftswoche und der individuellen Situation der Schwangeren.

Für die Behandlung werden sterile Akupunkturnadeln als Einmalnadeln verwendet. Welche Punkte ausgewählt und wie sie stimuliert werden, sollte eine entsprechend qualifizierte Fachperson entscheiden.

Infografik zu möglichen Akupunkturpunkten bei der Geburtsvorbereitung

Was hat der kleine Zeh mit geburtsvorbereitender Akupunktur zu tun?

Der kleine Zeh spielt vor allem bei der sogenannten Moxibustion bei Beckenendlage eine Rolle. Dabei wird der Akupunkturpunkt Blase 67 (BL 67, Zhiyin) an der Außenseite des kleinen Zehs durch Wärme stimuliert. Anders als bei der klassischen Akupunktur kommen dabei keine Nadeln zum Einsatz, sondern glimmender Beifuß. Die Moxibustion ist daher ein eigenständiges Verfahren und nicht automatisch Bestandteil der geburtsvorbereitenden Akupunktur.

Zur Anwendung bei Beckenendlage liegen auch wissenschaftliche Untersuchungen vor. Ein Cochrane-Review von 2023 wertete 13 Studien mit insgesamt 2.181 Schwangeren aus. Demnach kann Moxibustion zusätzlich zur üblichen Versorgung dazu beitragen, dass seltener eine Beckenendlage bei der Geburt vorliegt. Die Kaiserschnittrate wird dadurch wahrscheinlich nicht reduziert. Für eine verlässliche Beurteilung möglicher Nebenwirkungen reichen die bisherigen Daten nicht aus.

Für die professionelle Moxibustion werden unter anderem Moxa-Produkte wie Moxa-Sticks verwendet. Während der Schwangerschaft sollte die Anwendung erst nach geburtshilflicher Abklärung und unter fachlicher Anleitung erfolgen.

Geburtsvorbereitende Akupunktur: Sicherheit, Grenzen und Nebenwirkungen

Die geburtsvorbereitende Akupunktur ist keine medizinische Geburtseinleitung und kann eine Geburt nicht zuverlässig auslösen. Zwar wurde die Akupunktur unter anderem zur Zervixreifung und Geburtseinleitung untersucht, ein eindeutiger klinischer Nutzen ist bislang jedoch nicht belegt.

Auch die bisher veröffentlichte S2k-Leitlinie „Geburtseinleitung“ (Stand Dezember 2020, Addendum März 2021) empfiehlt Akupunktur aufgrund unzureichender Daten nicht als Verfahren zur Geburtseinleitung. Die Leitlinie befindet sich derzeit in der Überarbeitung.

Eine medizinisch notwendige Geburtseinleitung darf durch die Akupunktur weder ersetzt noch verzögert werden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

In Studien werden überwiegend leichte und vorübergehende Reaktionen beschrieben.

Möglich sind beispielsweise:

  • Schmerzen oder ein kurzes Ziehen an der Einstichstelle
  • Kleinere Blutungen oder Blutergüsse
  • Müdigkeit oder Unwohlsein
  • Schwindel und Kreislaufreaktionen

Die Sicherheitsdaten speziell für Schwangere sind begrenzt. Bei Blutungen, vorzeitigen Wehen, erhöhter Blutungsneigung oder einem auffälligen Schwangerschaftsverlauf sollte deshalb vor der Anwendung eine geburtshilfliche Abklärung erfolgen. Auch die Durchführung selbst sollte entsprechend qualifizierten Fachpersonen vorbehalten bleiben.

Geburtsvorbereitende Akupunktur: Pro und Contra

Wie bei vielen ergänzenden Verfahren gibt es auch bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur mögliche Vorteile, aber ebenso Grenzen und offene Fragen. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Punkte zusammen:

+ Mögliche Vorteile

Mögliche Nachteile und Grenzen

Ergänzendes, nicht medikamentöses Verfahren

Kein eindeutig belegter Nutzen für Geburtsdauer oder Kaiserschnittrate

Kann von manchen Schwangeren als entspannend oder wohltuend empfunden werden

Mehrere Termine und zusätzliche Kosten möglich

Hinweise auf mögliche Effekte bei einzelnen untersuchten Endpunkten

Vorübergehende Nebenwirkungen wie Einstichschmerz, Blutergüsse oder Kreislaufreaktionen möglich

Kann als zusätzliche Maßnahme zur Geburtsvorbereitung wahrgenommen werden

Individuelle Abklärung und qualifizierte Durchführung erforderlich

Wer übernimmt die Kosten für geburtsvorbereitende Akupunktur?

Die Kosten für die geburtsvorbereitende Akupunktur werden von der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel nicht als reguläre Akupunkturleistung übernommen. Im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung ist die Akupunktur nur bei bestimmten chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und bei chronischen Knieschmerzen infolge einer Gonarthrose vorgesehen.

Für die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung müssen Schwangere daher häufig selbst in die Tasche greifen.

Je nach Krankenkasse oder privatem Versicherungstarif können freiwillige Zuschüsse oder Erstattungen möglich sein.

Es lohnt sich deshalb, vor dem ersten Termin bei der eigenen Versicherung und der behandelnden Praxis nachzufragen, welche Kosten entstehen und ob eine Kostenübernahme möglich ist.

Geburtsvorbereitende Akupunktur als ergänzende Begleitung

Eine geburtsvorbereitende Akupunktur kann für Schwangere interessant sein, die sich in den letzten Schwangerschaftswochen ergänzend auf die Geburt vorbereiten möchten. Häufig wird sie ab 36+0 SSW angeboten und in wöchentlichen Abständen durchgeführt. Manche Schwangere empfinden die Termine als wohltuende Ergänzung zur regulären Vorsorge.

Wichtig ist jedoch, die Erwartungen realistisch zu halten: Ein verlässlicher Einfluss auf den Geburtsbeginn, die Geburtsdauer oder die Entbindungsart ist wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt. Sinnvoll ist deshalb eine individuelle geburtshilfliche Einschätzung und die Anwendung durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen.

Die Akupunktur ergänzt die reguläre Schwangerschaftsbetreuung, ersetzt aber keine medizinisch notwendige Diagnostik, Überwachung oder Geburtseinleitung.

FAQ

Häufig beginnt die geburtsvorbereitende Akupunktur ab 36+0 SSW. Der geeignete Zeitpunkt hängt vom Schwangerschaftsverlauf und dem jeweiligen Behandlungskonzept ab.

Häufig findet die geburtsvorbereitende Akupunktur einmal pro Woche über drei bis vier Wochen statt. Wie viele Sitzungen tatsächlich sinnvoll sind, hängt jedoch vom jeweiligen Behandlungskonzept und von der individuellen Situation der Schwangeren ab. Das wöchentliche Schema ist daher eine verbreitete Praxis, aber keine allgemein verbindliche Vorgabe.

Für die geburtsvorbereitende Akupunktur gibt es kein allgemein verbindliches Punkteschema. Welche Punkte gewählt werden, hängt unter anderem vom Behandlungskonzept und der individuellen Situation der Schwangeren ab. Bekannt ist beispielsweise das Mannheimer Akupunkturschema nach Römer. Die Auswahl und Stimulation der Punkte sollte immer durch eine entsprechend qualifizierte Fachperson erfolgen.

Akupunktur kann eine Geburt nicht zuverlässig auslösen. Zwar wurde untersucht, ob sie den spontanen Geburtsbeginn oder die Zervixreifung unterstützen kann, die bisherigen Studien zeigen jedoch keinen eindeutig belegten Nutzen. Eine medizinisch notwendige Geburtseinleitung kann Akupunktur daher weder ersetzen noch verzögern.

Am kleinen Zeh liegt der Akupunkturpunkt BL 67 (Zhiyin), der in der Traditionellen Chinesischen Medizin bei Moxibustion im Zusammenhang mit einer Beckenendlage eingesetzt wird. Dabei wird der Punkt durch Wärme stimuliert. Die Moxibustion ist ein eigenständiges Verfahren und nicht automatisch Bestandteil der geburtsvorbereitenden Akupunktur mit Nadeln.