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Akupunktur bei Inkontinenz

Kinesiologisches Taping der Schulter
Akupunktur bei Inkontinenz der Harnblase.
Unter „Kontinenz“ wird die Fähigkeit zur kontrollierten Ausscheidung von Harn und Stuhl zu verstanden. Der Mensch ist dazu nicht von Geburt an in der Lage. Erst im Kleinkindalter entwickelt sich die Kontinenz, sodass auf Windeln verzichtet werden kann. Das heißt, der Mensch verspürt einen Harndrang, wenn sich die Blase mit Urin füllt und kann sie kontrolliert entleeren. Für eine gewisse Zeit lässt sich die Harnausscheidung auch aufschieben. Aus verschiedenen Gründen kann diese Fähigkeit im Verlauf des Lebens teilweise oder ganz verloren gehen. Dann spricht man von einer Inkontinenz bzw. Harninkontinenz oder Blasenschwäche. Patienten verlieren die Kontrolle über ihre Blase und können das Ausscheiden von Urin nicht mehr koordinieren. Außerdem verspüren viele Patienten einen dauerhaften oder immer wiederkehrenden Harndrang. Dieses Symptom wird als Reizblase bezeichnet. Die Reizblase kann auch bei Blasenentzündungen auftreten.
 
Neben diesen Symptomen besteht für die Betroffenen eine starke psychische Belastung durch die Inkontinenz. Die Sorge, im Alltag nicht rechtzeitig eine Toilette aufsuchen zu können, schränkt die Betroffenen in ihren Aktivitäten ein. Harninkontinenz ist nach wie vor ein Tabuthema, über das in der Öffentlichkeit nicht gesprochen wird. Deshalb sind die Zahlen der Betroffenen nicht eindeutig zu klären. Etwa sieben bis acht Millionen Frauen und Männer sind in Deutschland an Harninkontinenz erkrankt. Frauen leiden häufiger unter einer Blasenschwäche als Männer. Zudem leiden viele an Harninkontinenz erkrankte Personen unter Schlafstörungen, weil sie auch nachts durch die Reizblase gestört werden.

Ursachen für eine Reizblase und für Harninkontinenz

Die Ursachen der Blasenschwäche bzw. Inkontinenz unterscheiden sich je nach Form. Die klassische Medizin kennt vier Formen der Harninkontinenz. Bei der Dranginkontinenz tritt der Harndrang „überfallartig“ auf, ohne dass der Patient vorher etwas verspürt. Häufig ist der Grund für die Dranginkontinenz ein instabiler Blasenmuskel oder eine Infektion. Außerdem können Tumore, Blasen- oder Harnwegssteine oder ableitende Harnwege zu einem unkontrollierten Ausfluss von Urin führen. Bei Krankheiten wie Multipler Sklerose, Hirntumoren, Demenz, Schlaganfall oder Parkinson kann der Muskel der Blase in seiner Funktion eingeschränkt werden, sodass es zu einer Blasenschwäche kommt. Auch dann spricht die klassische Medizin von einer Dranginkontinenz. Im Gegensatz dazu ist die Belastungsinkontinenz häufig eine Folge von äußeren Eingriffen, z.B. nach einer Operation in der Beckenregion oder bei einer Überdehnung der Beckenbodenmuskulatur während der Geburt. In Folge dessen kommt es zu einer Beckenbodenschwäche, die durch Östrogenmangel verstärkt werden kann. Auch eine Gebärmuttersenkung kann Grund für die Belastungsinkontinenz sein. Liegt eine vermischte Form von Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz vor, bezeichnen Fachspezialisten diese auch als Mischkontinenz. Neben diesen beiden Formen gibt es noch die Überlaufinkontinenz, bei der keine willkürliche Entleerung der Blase mehr möglich ist. Der Urin wird unwillkürlich ausgeschieden, weil sie verengt oder blockiert wird. Durch eine Prostatavergrößerung, eine Blockade der Harnröhre oder eine Nervenschädigung kann die Überlaufkontinenz ausgelöst werden. Nervenschädigungen können zum Beispiel bei Diabetes mellitus entstehen und dadurch die Blasenschwäche verursachen. Bei der Reflexinkontinenz geht der Urin reflexartig ab, ohne dass vorher Harndrang verspürt wird. Die Reflexinkontinenz wird häufig durch einen schweren Bandscheibenvorfall, Querschnittslähmung oder einen offenen Rücken verursacht.

Behandlung der Blasenschwäche

Bei der Therapie spielt die Unterscheidung der verschiedenen Formen der Harninkontinenz eine wichtige Rolle. Eine Gemeinsamkeit besteht im gezielten Toilettentraining, das den Betroffenen hilft, ihre Inkontinenz zu kontrollieren und im Alltag zu bewältigen. Dabei kann im Alltag eine Inkontinenz-Vorlage helfen, einen normalen Tagesablauf zu gestalten und mehr Lebensqualität zu verspüren. Bei der Belastungsinkontinenz werden durch Beckenbodentraining die Muskeln gestärkt und mit Zugabe von Hormonpräparaten der Östrogenmangel ausgeglichen. Die Beschwerden bei dieser Form der Inkontinenz können mit Duloxetin gelindert werden. Eine Dranginkontinenz kann gut mit Medikamenten therapiert werden. Anticholinergika wie Oxbutynin oder Tolterodin wirken hier besonders gut. Bei der Überlaufinkontinenz wird zur Therapie die eigentliche Ursache behandelt. Hier kann zum Beispiel operativ die Prostata verkleinert oder eine Blockade der Harnröhre gelöst werden. Auch bei den anderen Formen ist manchmal eine Operation notwendig. Jedoch viel seltener als bei der Überlaufinkontinenz.

Blasenschwäche und Inkontinenz in der traditionellen chinesischen Medizin

Bei einer Reizblase oder Harninkontinenz geht die traditionelle chinesische Medizin (TCM) davon aus, dass das Yang geschwächt ist. Die Yang-Energie steuert im menschlichen Körper die Ausscheidungsfunktionen. Liegt eine Störung vor, kann die Ausscheidung von Körperflüssigkeiten z.B. Urin nicht mehr kontrolliert werden. Yang ist eine wärmende Energie, die auch unter Wärmeeinfluss wieder in ihr Gleichgewicht gebracht werden kann. Dass sie im Zusammenhang mit der Inkontinenz steht, wird dadurch bestätigt, dass eine Reizblase bei Unterkühlung und kalten Füßen verstärkt wird. Außerdem ist psychischer Stress eine häufige Ursache bei Inkontinenz oder Reizblase. Je nach Ursache werden verschiedene Therapie-Ansätze gewählt. Liegt ein Yang-Mangel zugrunde, kann durch wärmende Kräuter und Akupunktur mit gleichzeitiger Wärmebestrahlung die Energie aufgefüllt werden. Die Wärmebestrahlung wird durch Moxibustion hervorgerufen. Hierbei wird auf das Ende der Akupunkturnadel ein Stück gepresstes, glühendes Beifußkraut aufgesteckt. Es überträgt einen Wärmereiz auf den Körper. Sind psychische Belastungen die Ursache für die Harninkontinenz oder die Reizblase, werden entspannende und beruhigende Punkte durch Akupunktur stimuliert. Jüngere Patienten benötigen meist weniger Akupunktur-Sitzungen als ältere Personen, weil bei ihnen häufig zusätzlich zur Reizblase eine Harninkontinenz vorliegt.

KG3 ist der „Sammelpunkt“ für den Blasen-Bereich des Menschen. Durch Akupunktur dieses Punktes werden Körperflüssigkeiten reguliert und das Yang gestärkt. Erfahrungen aus Akupunktur-Therapien zeigen, dass dieser Akupunkturpunkt bei Harnträufeln und Kälte bedingte Unterleibsschmerzen hilfreich ist. Bei unwillkürlichem Einnässen oder auch Enuresis werden die Punkte KG2 und MP6 in die Akupunktur einbezogen. Letzterer Punkt eignet sich auch für die Akupunktur bei Urinretention, wenn der Urin spontan ausgeschieden wird. Hier hat sich auch das Nadeln des Punktes MP 9 bewährt. Insgesamt gibt es sieben Blasenpunkte, die die traditionelle chinesische Medizin für Akupunktur und Moxibustion empfiehlt. Dadurch kann den Patienten einiges an psychischer Belastung genommen werden, sie können ihren Alltag mit der Inkontinenz besser bewältigen und es besteht sogar die Chance einer vollständigen Heilung von der Harninkontinenz.